um 1920

um 1920

Es war ein schicksalhaftes Gespräch damals im Frühjahr 1991 als Gerti, die frühere Eigentümerin des „Kirschgarten“, welches damals „Bella Italia“ hieß (und seit ca. 1 Jahr geschlossen war, weil der Pächter mitsamt der Konzession eines Tages das Weite gesucht hatte), vor der Tür stand, und meinem Mann, dem frischgebackenen Rentner (58 Jahre) so spaßeshalber das Lokal zur Pacht anbot, und mein Mann den folgenschweren Satz sagte:
„Ich würde das nicht pachten aber kaufen!“
3 Wochen später waren wir Eigentümer des Objektes, und das Schicksal nahm seinen Lauf.

Ein Architekt war schnell gefunden.
Die Handwerker, die bei dieser Bausubstanz auch etwas Hazardeure sein mußten, gingen ans Werk.
Ein Freund riet noch zum Anbau des Gartenzimmers, und innerhalb von nur 6 Monaten erfolgte die feierliche Eröffnung.
In der Zwischenzeit hatten wir schon erlebt, daß es in der Gastronomie nicht so zugeht, wie in der normalen Arbeitswelt, die wir bis dahin gekannt hatten.
Unser erster “Pächter” (mit bestem Namen und aus gutem Haus in Mainz, mit dem wir den Pachtvertrag per Handschlag bekräftigt hatten), ließ uns 6 Wochen vor der Eröffnung hängen.
Das nächste Pächterpaar, sie Restaurantfachfrau aus Bamberg, er Küchenmeister aus Kiedrich, trennte sich 8 Tage vor der Eröffnung.
Uns blieb die Pächterin … aber wir hatten noch keinen Küchenchef.

Histor2

70er Jahre

Inzwischen war der Tag vor der Eröffnung angebrochen:
es lagen einige Bewerbungen vor, und wir entschlossen uns, gemeinsam mit der Pächterin, die inzwischen die Konzession für das Lokal hatte, einen jungen Küchenmeister einzustellen, den wir am Abend vor der Eröffnung per Handschlag verpflichteten.
Der Handschlag galt jedoch nur, bis dieser zu seiner Familie kam, die ihm klar machte, daß er sich unter Wert verkauft hatte. Dann kam der Anruf von ihm …
Sozusagen „Pistole auf die Brust“: entweder mehr zahlen, oder kein Küchenmeister!

Was sollten wir tun?
Wir zahlten:
d.h. die Pächterin hätte zahlen sollen – was sie nur bedingt tat, ihre Zahlungsmoral war nicht die beste.
Die Restaurantfachfrau, die keine war, wie sich später herausstellte, blieb uns ca. 3 Monate erhalten, und kostete uns einiges Lehrgeld  – im wahrsten Sinne des Wortes.
Dann waren wir sie los und machten uns ans Werk.

Zunächst sagten wir, „das machen wir, bis wir einen geeigneten Pächter finden.. “
Dann: – „wir machen das höchstens 2 Jahre“ …
Dann …  5 Jahre
Dann …

Histor3Wir hatten inzwischen den 14. Geburtstag gefeiert.
Nach all diesen Jahren freuten wir uns, die Geschicke des Restaurants in die Hände unseres bewährten Küchenchefs gelegt zu haben.
Ich kümmerte mich derweil um die 8 Gästezimmer im Haus und versuchte,  unseren Gästen den  Aufenthalt in Wackernheim so angenehm wie möglich zu machen.

 

Nun hat die Geschichte des Landgasthofs und des Restaurants eine Fortsetzung.

Ich bin wieder da – leider nur ich.
Aber ich freue mich auf die neue Herausforderung, ich freue mich auf vertraute und neue Gesichter, und ich werde wie immer mein Bestes geben.
Ohne Titel 5.pages
Ihre Marianne Küsgens

———

Es ist nicht zu fassen, dass das jetzt schon 8 Jahre her ist. Als ich Ende 2009 den Laden wieder übernahm – ein benachbarter Küchenchef sagte damals zu einem Koch, der zu uns kommen wollte: wie können sie dahin gehen, die (also ich) kann doch morgen schon tot sein – konnten wir nicht sicher sein, wie sich das Restaurant entwickeln würde.
Selbst meine Mitarbeiten verdrehten die Augen und sagten „warten wir doch mal ab“ wenn ich Pläne für unser 25jähriges in 2016 schmiedete.
Inzwischen ist das 25jährige Geschichte.
Wir haben den Garten verschönert, neue Stühle in allen Räumen.
Keine Anzeigen geschaltet sondern auf Mundpropaganda gesetzt, das hat sich bewährt.

Jetzt in 2017 stehen wir gut da, unsere Frischeküche wird anerkannt – immerhin beschäftigen wir außer unserem Küchenchef 2 weitere Köche. Das gestattet uns, alles frisch vor- und zuzubereiten. Unsere Kunden erkennen das an. Sie sind unser Ansporn uns immer wieder was „einfallen“ zu lassen.

An unserer Speisekarte können Sie die Jahreszeiten ablesen, Hummer im Januar und Oktober
Franz. Wochen im Februar und September, Spargel April bis Juni, Pilze Juni bis Oktober, Dippehas Oktober bis Januar, Gans November bis Januar.

Oft können wir leider sogar der Nachfrage nicht gerecht werden. Besonders an den Wochenenden, denn obwohl wir 100 Plätze im Haus haben, können wir nur ca. 50 pro „Schicht“ bedienen. Bei größeren Zahlen würde die Qualität leiden, das wollen wir auf keinen Fall. So kommt es, dass manchmal das „komplett ausgebucht“ Schild vor der Tür steht, auch wenn Plätze frei sind, zugegebener Maßen für unsere Kunden schwer verständlich.
Inzwischen kursiert das Gerücht, daß ich am 31.12.2017 aufhören würde. Ich denke nicht daran und mache so lange ich kann!!!

der Landgsthof Kirschgarten – früher.